Ein Lernen durch Nachahmung (Imitation) findet seit einigen Jahren große Anerkennung auch in der Didaktik und Methodik in Schulen. So werden beispielsweise im Fremdsprachenunterricht Situationen von den Lehrkräften dargestellt, sprachlich unterstützend in der Fremdsprache erläutert und die Schüler ahmen diese Situation entsprechend nach. Es wurde gezeigt, dass diese Art von Lernen (vor allem auch dadurch, dass es eine multisensorische Herangehensweise ist) hocheffektiv ist.
Nun zeigt eine neue Studie von Menghini et. al. (2011), dass Kinder mit einer Lese(-Rechtschreib)schwäche (im Englischen klassifiziert als developmental dyslexia) gewisse Probleme bei dieser Art des Lernens durch Imitation haben. Bei der Untersuchung wurden 30 leseschwache Kinder mit 30 unbeeinträchtigten Kindern beim Lernen zweier Aufgabentypen verglichen: einer visuell dargebotenen Aufgabe (Imitation) und einer “Versuch und Irrtum”-Aufgabe. Es zeigte sich, dass die leseschwachen Kinder erhebliche Probleme bei der reinen Nachahmungsaufgabe zeigten, jedoch gute bis mit der Kontrollgruppe vergleichbare Ergebnisse beim “trial and error”-Format zeigten, wenn diese mit einer Nachahmungsaufgabe kombiniert wurde.
Als Folge für Unterricht und externe Förderung ergibt sich daraus, dass bei Anwesenheit von lese-rechtschreibschwachen Kindern nicht nur auf reine Nachahmung gesetzt werden sollte, sondern diese auch durch anwendungsbezogene, praktische Aufgaben unterstützend gefestigt werden müssen. Mehr lesen






Layout-Wahnsinn neuer Schulbücher – und ihre Probleme für leistungsschwache Schüler
Skizze einer "alten" Mathebuch-Seite
Auf dem Halbtagsblog schreibt der Kollege Jan-Martin Klinge über moderne Mathematik-Schulbücher und vergleicht ihr “altes” Layout mit dem Aufbau neuer – vermeintlich kompetenzorientierter – Ausgaben. Ich habe mir hier einmal erlaubt, seine beiden Zeichnungen hier im Artikel einzufügen.
Klinge schreibt nämlich auch ganz richtig, dass die neuen Fassungen zwar optisch natürlich ansprechender sind und durch ihre Farbcodierungen, Info-Boxen und diversen Aufgabentypen motivierend und fordernd sein können. Dies gilt aber nur für mindestens durchschnittliche bis (sehr) gute Schüler – leistungsschwache Lernende haben enorme Probleme mit grafisch überfrachteten Seiten.
Skizze einer "neuen" Schulbuchseite
Klinge arbeitet daher lieber mit differenzierenden Lerntheken bei komplexer einzuführenden Themen, die auch eine gewisse Routine und mehr Übung benötigen.
Auf einen ganz wichtigen Punkt hat mich dies aber wieder gebracht, den ich auch in Fortbildungen immer wieder betone: Wir Lehrer versuchen mittlerweile auch immer öfter, unsere Arbeitsblätter möglichst bunt und abwechslungsreich zu gestalten – am besten noch mit Cliparts und bunten Bildchen aus der Google-Bildersuche (Copyright hin oder her). In den meisten Fällen haben die Bilder dann nur noch wenig mit dem Inhalt des Arbeitsmaterials zu tun, lockern das Ganze aber anscheinend auf. Für lese-rechtschreibschwache Kinder ist dies allerdings geradezu kontraproduktiv! Diese Schülerinnen und Schüler brauchen klar strukturierte Arbeitsblätter ohne Firlefanz und auch gerne ohne auflockernde Bilder – es wird sie nur ablenken. Da sie ohnehin mit dem Lesen des Inhalts- und Aufgabentextes Schwierigkeiten haben werden, sollte ihnen die Chance gegeben werden, sich wirklich nur auf den Text zu konzentrieren.