Zwei Erkenntnisse zu Lehrkraft & Pensum eines LRS-Fördertrainings

Bei der Recherche zu einer Studie bin ich gerade auf zwei interessante Aspekte gestoßen, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

1. Die wichtige Rolle der Förderlehrkraft

Als man seinerzeit in den 80er (!) Jahren verschiedene Legasthenie/LRS-Förderansätze im englischen Sprachraum testete, war man sich schon im Klaren darüber, dass eine Förderung von legasthenen/lese-rechtschreibschwachen Kindern in möglichst kleinen Gruppen – am besten in 1:1-Sitzungen – stattfinden sollte. Diese 1:1-Situation birgt allerdings das Risiko, dass Kind oder Lehrkraft unter Umständen keinen Zugang zueinander finden, dass kein “Rapport” aufgebaut werden kann, der die Voraussetzung für eine erfolgreiche Förderung wäre. Auch Sie werden sicherlich denken, dass dies doch ganz normal sei – der Überzeugung war ich auch. Allerdings wird diese Grundvoraussetzung erfolgreicher Förderung und Lernens an vielerlei anderen Stellen gar nicht erst erwähnt oder gar in Betracht genommen. Kann es sein, dass manche Förderansätze nur so gut funktionieren, da eine besonders sympatische, einfühlsame Person die Förderung übernahm? Kann es im Umkehrschluss genau so sein, dass eine Methode der statistischen Evaluation nach versagte, nur weil die “falschen” Lehrkräfte zur Durchführung eingesetzt wurden?

2. Die noch wichtigere Rolle des Pensums

Noch weitaus bedeutender als qualifizierte Lehrkräfte erschien gemäß der Studie insbesondere auch das Pensum und die Zeit, die pro Woche in ein Fördertraining invesiert wurde. Mittlerweile wird an einigen Schulen eine Förderstunde pro Woche für lese-rechtschreibschwache Kinder eingeführt – bereits in den 80er Jahren war bekannt, dass dies deutlich zu wenig ist. Noch dazu wurde diese eine Stunde als “Bürde” und “aufgezwungen” empfunden, da sie in den regulären Stundenplan gestopft wurde und wenig Anbindung an andere Fächer hatte.  Für die Autoren der Studie stand daher schon damals fest, dass ein Förderprogramm frequentiell öfter pro Woche stattfinden muss. Auch wurde eine Kooperation mit den Eltern der betroffenen Kinder als äußerst positiv eingeschätzt, wenn diese vorher genaustens instruiert und nicht überfordert wurden.

Diese beiden Aspekte sollten grundsätzlich in Forschung und Entwicklung von Trainingsprogrammen für legasthene und/oder lese-rechtschreibschwache Kinder einbezogen werden.

In diesem Beitrag verwendete Literatur

Hornsby, Beve/Farrer, Maria (1990): Some Effects of a Dyslexia Centred Teaching Programme. In: Pumfrey, Peter David/Elliott, Colin D.: Children’s difficulties in reading, spelling, and writing. London: The Falmer Press.

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 28. Januar 2011 um 18:37 | Permanent-Link

    1:1-Sitzungen ist nach meiner Erfahrungen die optimal. Richterweise braucht einige Zeit der Eingewöhnung, um zusammen lernen zu können. Es liegt sehr oft am Einfühlvermögen des Experten, die es in unserem Bildungssystem kaum gibt. Denn eine schematisches Training auch wenn es wissenschaftlich evaluiert ist, bringt bei einer Legasthenie eher mehr frust. Viele Betroffene Blockieren beim systematischen Training. Da ist der Fachmann gefragt um Mehtoden zu entwickeln, dass der Betroffene den Zugang dazu bekommt. Aus diesem Grund meine ich schon seit Jahren das es viel mehr Betroffene Experten braucht, andere verstehen uns kaum. In der Praxis gewinne ich sehr schnell Vertrauen, weil ich es weiß wie es ist ein Legastheniker in allen Lebenslagen zu sein.

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  • Dieser Blog beschäftigt sich mit der Förderung legasthener oder lese-rechtschreib-schwacher Englischlerner. Hier sollen Lösungen für LRS-Schüler/innen und deren Trainer/innen und Lehrkräfte vorgestellt und diskutiert werden.